Forschung/Projekte

GamesCoop: Das Computerspiel ist das komplexeste Artefakt von dem die Medienwissenschaft überhaupt handeln kann. Deshalb liegt es nahe, sich Games kooperativ zu nähern.Die GamesCoop besteht aus Mitgliedern des Teams Medienwissenschaft der Universität Siegen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Computerspiel auseinandersetzen. Ziel ist es, diesen Interessenschwerpunkt im Bereich der Game Studies durch die Kooperation zu stärken, weiter auszubauen und in Lehre und Forschung zu etablieren.
Im Umkreis dieses Projekts entstehen Dissertationen und Habilitationen sowie zahlreiche andere Publikationen; in Planung ist unter anderem eine gemeinschaftlich verfasste Einführung in die Computerspielanalyse.
Link: www.gamescoop.uni-siegen.de

Das Projekt ‘Kafkas virtuelle Mediathek’ zielt auf eine systematische Erschließung der Lektüren Franz Kafkas und auf ihre kommentierte Darstellung im Medium eines dynamischen Hypertextes auf der Basis einer relationalen Datenbank. Zugleich sollen die biographische Entwicklung des Lesers Kafka sowie dessen Lektüreverfahren, -techniken und -strategien des Lektüre im Hinblick auf seine literarische Produktion und im Kontext des literarischen Werks empirisch und theoretisch nachgezeichnet werden. Die Kooperation führender amerikanischer, deutscher und tschechischer Fachwissenschaftler wird es ermöglichen, die drei bedeutendsten nationalen Traditionen bzw. Komplexe der Kafkaforschung produktiv miteinander zu vernetzen: ihre wichtigsten Resultate miteinander in Bezug zu setzen, unterschiedliche nationale Lesarten eines modernen Klassikers gegeneinander zu kontrastieren und neue gemeinsame Aufgabenstellungen zu formulieren.

Hilsneriade.net ist ein Forschungshypertext zu einem medienhistorischen Ereignis, der sogenannten ‘Hilsner-Affäre’ oder ‘Hilsneriade’: Im Jahr 1899 wurde in der kleinen Stadt Polna im damaligen Böhmen eine junge Frau zur Osterzeit ermordet aufgefunden. Die Tat wurde von der aufgebrachten Bevölkerung sehr schnell zum ‘jüdischen Ritualmord’ erklärt. Medienwissenschaftlich interessant wird der Fall dadurch, dass dieses Erklärungsmuster von den damaligen Massenmedien aufgegriffen und zu einem frühen ‘Medienhype’ verarbeitet wurde, was mit dazu beitrug, dass es entgegen jeder Vernunft zu einer Verurteilung des Juden Leopold Hilsner kam. Durch die hypertextuelle Verknüpfung der zeitgenössischen Materialien wird im Projekt vorgeführt, wie das antisemitische Phantasma des „jüdischen Ritualmordes“ die modernsten Diskursbereiche (Medizin, Recht, Kriminologie) und Medien (Presse, Karikatur, Postkarte, Photographie, Plakat) zu einer archaischen Macht verschaltete, die die Regeln des Rechtsstaats und der wissenschaftlichen Vernunft vorübergehend außer Kraft setzen konnte. Die Materialien zum Fall Hilsner veranschaulichen so auf exemplarische Weise das Heraufkommen eines graphische und sprachliche Bilder umfassenden, von den avanciertesten Medien und Kommunikationstechniken gestützten neo-archaischen Codes ‚vorgesellschaftlicher’ Gewalt und Grausamkeit, dessen Rekonstruktion maßgeblich zum Verständnis der Geschichte Mitteleuropas im 20. Jahrhundert beitragen kann.

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